Die Weisheit und die Kunst des Loslassens

01.09.2011

Wie schwierig es ist, die eigene Praxis/Kanzlei aufzugeben.
Die Weisheit und die Kunst des Loslassens

Wer seine eigene Steuerberater-, Wirtschaftsprüfer-Praxis oder Rechtsanwaltskanzlei aus unterschiedlichem Anlass aufgeben möchte, sucht am Anfang die Einsicht und Verstandesgründe, die für die Trennung von der Praxis sprechen:

Erreichen einer bestimmten Altersgrenze, Wunsch oder Notwendigkeit zur Realisierung des Praxiswertes (als Teil der Altersversorgung), Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte, gesundheitliche Probleme, Arbeits- oder Berufs-Verdrossenheit, familiäre Wünsche und Rücksichten, Streben nach beruflicher Veränderung, Hobbys, anderweitige Lebenswege.

Jedenfalls kann der Verstand sich diesen Gründen nicht verschließen, und es spricht für einen weisen Entschluss, sich von seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit, d. h. von seiner Kanzlei definitiv zu trennen,

mit anderen Worten: körperlich und mental

loszulassen.

Dieser Wille und Entschluss sind jedoch aus subjektiver Sicht erfahrungsgemäß nicht so leicht umzusetzen. Der Praxisinhaber hat oft eine zu große emotionale Beziehung/ Bindung zu seiner Praxis, die er als sein Lebenswerk aufgebaut und mit Herzblut geschrieben hat, um sich zügig von der Kanzlei zu trennen, vgl. hierzu auch Ausführungen Rechtsanwalt Dr. Platz, www.platz-kanzleibewertung.de.

Dazu kommt die Befürchtung und Fragestellung, ob ein Nachfolger, Sozius oder Käufer die gleiche Kanzleikultur pflegt, die Mandanten wie gewohnt intensiv betreut und das Praxis- und Umsatzniveau wird halten können.

Oft quält das Gefühl, sich mit der Trennung auf ein Abstellgleis, zum alten Eisen oder in die Vereinsamung begeben zu müssen

Dieser Gedanken und Emotionen sind einem erfahrenen Kanzleivermittler, Unternehmensberater und sachverständigen Wertgutachter hinreichend bekannt; er beherrscht das Wissen über und Methoden in Hinsicht auf die

Kunst des Loslassens.

Entscheidend ist, ob die Gründe für die zukünftige Lebensplanung hinreichend konkretisiert und realistisch umsetzbar sind. Als Pendant für die Aufgabe der bisherigen Lebensabläufe, persönlichen Gewohnheiten, beruflichen Tätigkeiten (+ Einnahme-quellen) und persönlichen Gewohnheiten lockt ein weiterer – immateriell – bedeutender Gewinn: Dieser besteht in der Entlastung von dem Zugzwang und Aufwand, sich beruflich ständig auf dem Laufenden halten zu müssen, durch Studium der ständig wechselnden Rechtsprechung, neuen Gesetzgebung, ministeriellen Rundschreiben und durch Fortbildungsseminare. Ein solcher Druck wird durch die Praxisaufgabe genommen bzw. auf den Nachfolger oder verbleibenden Sozius abgeleitet.

Wichtig und Voraussetzung ist es, für den ausscheidenden Praxisinhaber attraktive Zukunftsperspektiven zu finden und aufzuzeigen. Den o. g. negativen Befürchtungen ist durch Kennzeichnung der positiven, neugewonnenen Lebensziele gegenzusteuern. Kann sich der Praxisinhaber hierfür engagieren/begeistern, d. h. hat er neue Lebenspläne gefunden, fällt das Loszulassen von der bisherigen Tätigkeit und Praxis leicht bzw. leichter.

Rationale und emotionale Argumente der vorgenannten Art, schlüssig begründet und engagiert vertreten, bewirken und erleichtern zumeist das vermisste – notwendige –

loslassen.

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